Was du hörst
Ein Überschallknall entsteht, wenn ein Flugzeug schneller als der Schall fliegt, also schneller als rund 1200 km/h. Das Flugzeug schiebt Druckwellen vor sich her, die sich hinter ihm zu einem Kegel bündeln. Wo dieser Kegel den Boden streift, hört man für den Bruchteil einer Sekunde einen harten Schlag.
Streng genommen sind es zwei Druckstösse, einer von der Nase, einer vom Heck des Flugzeugs. Bei grossen Maschinen hört man deshalb einen deutlichen Doppelknall. Bei Kampfjets liegen die beiden Schläge so knapp beieinander, dass viele nur einen einzigen, sehr trockenen Knall wahrnehmen.
Typisch sind vibrierende Fensterscheiben, klirrendes Geschirr oder ein kurzer Ruck durch das Haus, ohne dass draussen etwas zu sehen ist. Es gibt keinen Blitz, keinen Rauch und keinen Geruch. Und anders als bei Feuerwerk folgt meist kein zweiter oder dritter Knall in den nächsten Minuten.
Warum ihn so viele gleichzeitig hören
Der Knall entsteht nicht einmal beim «Durchbrechen der Schallmauer», sondern begleitet das Flugzeug, solange es mit Überschall fliegt. Er zieht wie ein Lärmteppich über das Land. Die Schweizer Luftwaffe gibt an, dass sich die Druckwelle bis zu 70 Kilometer weit ausdehnen kann. Die Bundeswehr nennt eine Kegelbreite von bis zu 80 Kilometern.
Deshalb hören Menschen in Orten, die 20 bis 50 Kilometer auseinanderliegen, denselben Knall innerhalb weniger Minuten. Die Pilotin oder der Pilot selbst hört ihn nicht, weil das Flugzeug schneller ist als sein eigener Schall. Wie laut es am Boden ankommt, hängt von Flughöhe, Wetter und Gelände ab. In Bergtälern kann der Knall von den Hängen zurückgeworfen werden und länger nachhallen.
Wann und wo mit Überschall geflogen wird
In der Schweiz sind Überschallflüge nur über 10'000 Metern über Meer erlaubt und bewilligungspflichtig. Mit Rücksicht auf die Bevölkerung fliegt die Luftwaffe in der Regel nicht über dem Mittelland mit Überschall. Bei grosser Lawinengefahr ist Überschall im Winter tabu. Pro Jahr kommen nach Angaben der Luftwaffe einige hundert solcher Flüge zusammen.
In Deutschland erlaubt die Bundeswehr Überschall bei Test- und angemeldeten Übungsflügen nur werktags von 8 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 20 Uhr, über Land erst ab etwa 36'000 Fuss, also rund 11 Kilometern Höhe. Der Flugweg soll dicht besiedeltes Gebiet nach Möglichkeit meiden.
In Österreich trainieren die Eurofighter des Bundesheeres Überschall nur wochentags, in 12'500 bis 15'200 Metern Höhe und vorwiegend über dem dünn besiedelten alpinen Kernraum. Über Ballungsräumen, Wien und Vorarlberg wird nicht trainiert, an Wochenenden und über Mittag gar nicht.
Übung oder Einsatz?
Die Zeitfenster gelten für das Training. Bei einem echten Einsatz geht Tempo vor Lärmschutz. Das passiert, wenn ein Flugzeug keinen Funkkontakt mehr hat, ohne Erlaubnis in den Luftraum einfliegt oder in Not ist.
In der Schweiz heisst das «Hot Mission»: Zwei bewaffnete F/A-18 starten innert Minuten und fliegen mit Überschall zum Einsatzort. Davon zu unterscheiden sind «Live Missions», bei denen die Luftwaffe der Bundeswehr stichprobenweise ausländische Staatsflugzeuge kontrolliert. In Deutschland steigt dafür die Alarmrotte aus zwei Eurofightern auf, laut Luftwaffe etwa ein- bis zweimal pro Monat wegen fehlenden Funkkontakts. In Österreich sind es 30 bis 50 «Priorität Alpha»-Einsätze pro Jahr, mit Überschall aber nur selten.
Einsatzflüge sind der Grund, warum ein Überschallknall auch am Wochenende, abends oder über einer Stadt auftreten kann.
So erkennst du ihn auf der Karte
Auf lauterknall.com siehst du das typische Muster: Meldungen aus mehreren, weit auseinanderliegenden Gemeinden innerhalb weniger Minuten, oft in einer Linie oder einem breiten Streifen. Eine Explosion dagegen erzeugt eine dichte Häufung um einen Ort. Feuerwerk verteilt sich über den ganzen Abend.
Wenn viele die Kategorie Überschallknall wählen und die Meldungen zeitlich eng beieinanderliegen, ist die Sache meist klar. Oft bestätigen Luftwaffe, Armee oder Medien den Flug wenige Stunden später.
Was du tun solltest
Wenn Fenster vibrieren, aber nichts brennt und niemand verletzt ist: kurz auf der Karte schauen, ob andere dasselbe gehört haben, und deine Meldung ergänzen. Bei Rauch, Feuer, Verletzten oder Einsturzgefahr immer den Notruf wählen. Die Plattform ersetzt keine Einsatzkräfte.
Für Fragen und Beschwerden zu Militärflügen gibt es offizielle Stellen. In Deutschland erreichst du das Luftfahrtamt der Bundeswehr kostenlos unter 0800 8620730. In der Schweiz und in Österreich nehmen Luftwaffe beziehungsweise Bundesheer Anfragen über ihre Kontaktseiten entgegen.